Anatomie - ein bißchen Theorie
Die kindliche Wirbelsäule macht 3 Aufrichtungen in ihrer Entwicklung durch, bevor sie die endgültige S-Form erlangt.
Ein Tragetuch oder eine geeignete Tragehilfe passen sich optimal jedem Entwicklungsstadium an.
Nach der Geburt befindet sich die Wirbelsäule in der Totalkyphose. Die Wirbelsäule ist vollständig gerundet, alles erinnert an den Zustand im Mutterleib.
Diese Haltung sollte auch bis zur 1. Aufrichtung unterstützt werden. Das Kind darf auf keinen Fall in sich zusammensacken in dieser Rundhaltung, sondern es sollte vielmehr
jeder einzelne Wirbel in dieser Haltung gestützt werden. Das kann nur ein Tragetuch.
Deshalb gilt gerade für die ersten Lebenswochen meine Empfehlung, ausschließlich mit einem Tragetuch oder einem Sling zu tragen.
Interessante Tatsache: Größere Babys und Kinder machen ihren Rücken im Schlaf ebenso rund wie in diesem Stadium als Neugeborenes! Deshalb ist es auch beim späteren Tragen so wichtig, daß das Kind sich im Schlaf im Tuch oder der Tragehilfe "rundmachen" kann.
Auf dem Foto links sieht man sehr schön, wie sich die Wirbelsäule eines Kindes, das sich gerade im Stadium der Lendenlordose (noch nicht abgeschlossen) befindet, im Schlaf wieder zur Totalkyphose rundet. Auch die Anhock-Spreizhaltung ist hier sehr schön zu erkennen. Die Beine sind ~110° angehockt - die Knie also in etwa Bauchnabelhöhe. Die Kyphose (das Rundmachen) und die Anhock-Spreizhaltung bedingen einander!
Die erste Aufrichtung der Wirbelsäule nennt sich Halslordose. Die 7 Halswirbel richten sich auf - das Baby kann sein Köpfchen heben und kurze Zeit halten (mit ca. 6 Wochen). Die Halslordose ist mit etwa 4 Monaten abgeschlossen.
Bei der anschließenden Brustkyphose bleibt die Brustwirbelsäule kyphotisch. Die Beuge- und Streckmuskeln am Körper müssen kräftig genug sein. Erst wenn das Baby allein frei sitzen kann - mit 7 - 10 Monaten -, ist die Brustkyphose abgeschlossen.
Die schließlich letzte Aufrichtung heißt Lendenlordose. Die S-Form der Wirbelsäule ist allmählich fertig. Sie ist abgeschlossen, wenn das Kind allein und frei laufen kann.
All diese Perioden gehen fließend ineinander über!
Babys haben von Geburt an den Reflex, ihre Beine und die Hüfte in eine optimale Position zu bringen. Hebt man ein Baby hoch und verliert es mit den Füßen den Bodenkontakt, so zieht es automatisch die Beine an und bringt sie in die Anhock-Spreiz-Haltung (kurz: ASH). Daran sieht man, daß das "reiten auf der mütterlichen Hüfte" den Kindern angeboren ist, denn diese Position des Kindes paßt optimal auf die Hüfte der Mutter.
Schaut man sich bei Hüftdysplasien verwendete Tübinger Hüftschienen oder den Fettweis-Gips an, so sieht man auch hier
die optimale Position: der Femurkopf sitzt dann genau in der Hüftpfanne. Er übt keinen Druck auf die Ränder aus (wie bei einer Überspreizung) oder hängt gar zu weit am äußeren Rand
(wie bei einem schlaffen Herunterhängen der Beinchen).
Bei einer korrekten Anhock-Spreiz-Haltung sind die Knie des Kindes etwa in seiner Bauchnabelhöhe, was einem Winkel von ca. 110° entspricht (Anhockung). Die Abspreizung der Oberschenkel
zueinander beträgt bei einem Baby ca. 90° (jeweils 45° zur Körpermitte). Bei Frühchen oder Neugeborenen ist dieser Winkel niedriger!
